NachhaltigkeitNachhaltigkeit beim Wandern

Nachhaltigkeit ist derzeit in aller Munde und gerade jetzt äußerst wichtig. Noch können wir mit einem Umdenken unsere Tiere, unser Gewässer und unsere Umwelt mit oft ganz simplen Dingen auf lange Sicht schützen. Häufig jedoch werden wir mit einem fiktiv erhobenen Zeigefinger gefühlt an jeder Ecke ermahnt, alte Gewohnheiten zum Wohle der Natur am besten sofort abzulegen. Was noch vor ein paar Jahren als selbstverständlich galt, wird heute oft verteufelt. Umso schöner finde ich es, dass es Menschen wie Anne von Little Red Hiking Rucksack gibt. Auf eine charmante Art und Weise regt sie mit eigenen Erfahrungen und Tipps auf ihrem Blog und ihren Social-Media-Plattformen zum Umdenken an, um den Alltag und insbesondere das Wandern ein wenig “grüner” zu gestalten. Und das ganz ohne erhobenen Zeigefinger.

Auf ihrem Blog geht es primär um das Thema Wandern als Frau, sehr authentisch und ungeschminkt, und damit verknüpft sie das nachhaltige Wandern eingehend. Es ist für sie eine Herzensangelegenheit und das spürt man.

Umso mehr freue ich mich darüber, dass ich Anne 7 Fragen zum Thema Nachhaltigkeit beim Wandern stellen durfte, die sie ausführlich und ehrlich beantwortet hat.

1. Wenn man an Nachhaltigkeit beim Wandern denkt, kommt einem sofort die Müllvermeidung in den Sinn. Aber Nachhaltigkeit ist doch mehr als sein Butterbrotpapier nicht in den Wald zu werfen. Was versteckt sich denn noch hinter diesem großen Begriff?

Für mich sagt die Kernbedeutung dieses Begriffs eigentlich alles, was es braucht, um die ganze Idee zu verstehen. Wenn ich im Duden nachgucke, was ‘Nachhaltigkeit’ bedeutet, so finde ich diese Definition:

längere Zeit anhaltend 

Und genau darum geht es für mich. Der Hauptschlüssel ist der Konsum. Ich besitze z.B. ein Trekkingzelt. Das Zelt ist kein Leichtgewicht und höchstwahrscheinlich auch nicht besonders nachhaltig produziert. Aber es war verhältnismäßig günstig. Damals konnte ich mir mehr nicht leisten. Nun stellt sich mir die Frage: Altes Zelt in den Müll und ein neues HighTech-Zelt kaufen? Nein! Mein Zelt ist noch super und ich werde es so lange benutzen, bis es nicht mehr geht. Und dafür nehme ich das eine Kilo mehr auch in Kauf. 

Also eigentlich geht es darum, vor dem Kauf von neuen Dingen genau zu überlegen, ob ich das wirklich brauche und ob es nicht vielleicht eine andere Möglichkeit gibt. 

Die 5-R-Methode der Zero-Waste-Gemeinschaft ist da eine ganz gute Richtlinie: 

  • Refuse (ablehnen)
  • Reduce (reduzieren)
  • Reuse (wiederverwenden und reparieren)
  • Recycle (zur Wertstoffsammlung geben)
  • Rot (kompostieren)

Also Konsum abzulehnen oder mindestens zu reduzieren sind für mich die absolute Basis für ein nachhaltiges Leben. 

2. Nachhaltigkeit beginnt bereits VOR der geplanten Wanderung. Was gehört deiner Meinung nach zu einer guten Vorbereitung, um nachhaltig wandern zu können? 

Genau, sogar die allermeisten ‘grünen’ Gedanken stecken in der Planung. Und dazu gehört mehr, als man denken mag. 

Angefangen mit der Ausrüstung. Das ist schon eine echte Herausforderung. Ich persönlich fühle mich immer ein bisschen erschlagen, wenn ich die ganzen Siegel und Zertifikate an Outdoorkleidung baumeln sehe. Welchen kann ich vertrauen? Welche vertreten mir wichtige Ansätze? Und kann ich mir am Ende überhaupt so eine tolle nachhaltig und fair produzierte Jacke leisten? 

Mein Tipp: Langsam anfangen und nach und nach die Ausrüstung auf nachhaltige Varianten umstellen. Es ist auch wenig sinnvoll, jetzt plötzlich alles wegzuwerfen und neu zu kaufen. Lieber so lange wie möglich tragen, reparieren, und wenn nichts mehr geht, gut informieren, bevor etwas Neues gekauft wird. Dabei hilft das Fachpersonal im  Geschäft übrigens sehr gern, die kennen sich echt aus.

Nachhaltiges Wandern

Ein anderer Punkt, der mir persönlich sehr wichtig ist, ist das Thema Wanderessen. Besonders bei Trekkingtouren mit Zelt greifen viele schnell zu doppelt und dreifach verpackten Fertiggerichten. Doch auch wenn man sein Essen selbst dörrt, zusammenstellt und abpackt, entsteht ein riesiger Haufen Plastikmüll. Ich habe das große Glück in meiner Nähe einige Unverpacktläden zu haben, sodass ich mittlerweile versuche, zumindest vor der Tour so wenig Müll wie möglich zu produzieren. Beim Trekking selbst ist es schwierig, ganz ohne z.B. Ziplocs auszukommen. Da experimentiere ich auch noch…

Bei Tagestouren wandert meine Stulle aber natürlich in der rumpeligen Blechbrotbüchse oder im Bienenwachstuch mit. 

3. Meist muss die Anreise zur Wanderung mit dem Auto erfolgen, denn die Wenigsten haben ein Wandergebiet vor der Haustüre. Wie kann so Wandern mit Nachhaltigkeit und Umweltschutz einhergehen?

Ja, die Anreise ist für viele undenkbar ohne Auto. Ich selbst habe keins und so ist es für mich ganz normal, auf öffentliche Verkehrsmittel zurückzugreifen. Und das rate ich auch allen Autofahrern. Schön gemütlich mit Zug oder Bus ins Wandergebiet tuckern und vor Ort erkundigen, wie man weiter kommt. Meist gibt es in den bekannten Wanderregionen mittlerweile sehr gute Transportmöglichkeiten, z.B. Wanderbusse, manchmal sogar kostenlos. 

Wenn es doch mal nur mit dem Auto geht, dann sollte man schon darauf achten, möglichst voll beladen zu fahren. Also bei Touren mit Freunden genau abstimmen und auf der Rückbank ruhig auch mal zu dritt kuscheln. 

4. Was gehört für dich persönlich zu einer gelungenen nachhaltigen Wanderung und wo stößt du an deine Grenzen?

Eigentlich finde ich es am Allertollsten, wenn ich einfach aus der Haustür raus loslaufen kann. Es ist immer wieder ein schönes Gefühl, nur mit meinen eigenen Füßen unterwegs gewesen zu sein. Leider wohne ich mitten in Berlin und so müsste ich, um auch nur ein bisschen mehr zusammenhängendes Grün zu sehen, schon einen Tagesmarsch auf mich nehmen. 

An meine Grenzen stoße ich tatsächlich auch beim Thema Kleidung. Wirklich nachhaltig produzierte Kleidung ist einfach sehr teuer und ich persönlich habe zusätzlich noch ein Größenproblem. Ich trage Größe 46 und auch wenn einige Hersteller diese Größe im Programm haben, so komme ich in der Realität mit dem Reißverschluss meist nur bis kurz unter die Brust. So werde ich immer wieder auf die Massenhersteller zurückgeworfen, deren Versprechen von Nachhaltigkeit und Fair Trade ich nicht wirklich glauben kann… 

5. Wie könnte deiner Meinung nach auf die Nachhaltigkeit in den Wandergebieten (noch) besser hingewiesen und diese auch umgesetzt werden?

Ich fände es toll, wenn es mehr Mülleimer unterwegs geben würde. Und vielleicht hilft doch noch das eine oder andere Hinweisschild, dass Müll nicht in den Busch, sondern in die Tonne gehört. Alle wird man damit sicher nicht kriegen, aber einige bringt es vielleicht zum Denken. 

Vielleicht könnte man auch an den Infozentren in Nationalparks o.ä. Müllbeutel verteilen, die während der Wanderung gefüllt und dann gegen eine kleine Belohnung am Ende der Tour wieder abgegeben werden können. Das ist sicher eine schöne Motivation für Kinder. 

Wachstücher als Alternative zu Frischhalte- und Alufolie

Ich finde aber auch Aufklärung generell total wichtig. Es gibt noch so viele ‘Müll-Legenden’ in den Köpfen… Taschentücher verrotten nicht gleich nach dem ersten Regenguss, Mandarinen- und Bananenschalen mögen zwar ‘bio’ sein, haben aber in unseren Wäldern nichts zu suchen. Denn nicht nur der lange Abbauprozess spielt eine Rolle, sondern auch das schlechte Beispiel. Wenn da schon gut sichtbar eine Bananenschale liegt, braucht es nicht viel Überwindung, auch die Schokoriegelpackung daneben zu werfen. 

6. Wenn du drei Wünsche frei hättest, unsere Welt nachhaltiger zu gestalten, welche wären das?

  1. Plastik (so weit es geht) raus aus unserem Alltag. Ich freue mich über jede Nachricht, die von verbotenen Strohhalmen, Gurken ohne Folie und Mehrweg-Pfand-Kaffeebechern berichtet. 
  2. Günstigere Zugpreise. Es kann nicht sein, dass ein Zugticket nach München von Berlin doppelt so viel kostet, wie ein Flugticket. 
  3. Generell sollte der Staat nachhaltig produzierende und agierende Unternehmen viel stärker subventionieren und die großen ‘Bösen’ bei Umweltsünden härter bestrafen.

7. Unabhängig vom Wandern, welche Tipps kannst du geben, um im Alltag nachhaltiger zu leben?

Ein Rat, den ich auch mir selber immer wieder geben muss: Keinen Stress! 

Man muss nicht von einem Tag auf den anderen seinen kompletten Haushalt umkrempeln, das Auto abmelden und nur noch mit dem Esel in den Urlaub reiten. Vielmehr ist der Weg zu einem nachhaltigen Leben das sprichwörtliche Ziel. Schon sich über sein Konsumverhalten Gedanken zu machen, das Auto ab und zu stehen zu lassen, ein bisschen weniger Fleisch zu essen oder immer eine Stofftüte dabei zu haben, sind Schritte, die nach und nach zu einem grüneren Alltag führen. 

Ich finde es hilfreich, in der Wohnung Zimmer für Zimmer vorzugehen und einfach mal zu schauen, wo man in der Küche, im Bad, im Wohn- und Schlafzimmer etwas ändern kann. Und das auch aufschreiben. Diese Listen kann man dann Step by Step abarbeiten. Und wenn das ein ganzes Jahr dauert? Egal! Keinen Stress! 

Aber auch nicht die Augen verschließen. 


Und wer trägt den kleinen roten Rucksack?

Im „wahren“ Leben wohne und arbeite ich in Berlin. Wenn ich nicht draußen unterwegs bin, unterrichte ich Deutsch als Fremdsprache in Berlin und versuche mich mit Yoga und Bouldern fit für´s Wandern zu halten.

Und obwohl ich im Thüringer Wald aufgewachsen bin, war das Wandern in meiner Kindheit und Jugend nie mein Lieblingshobby. 

Der Umschwung kam eigentlich erst vor einigen Jahren, als ich mich relativ kurzfristig entschieden hatte, den Caminho Portugues zu gehen. 

Ich habe den Weg geschafft und ich habe ihn geliebt und ich wollte mehr. Der Caminho Portugues gab mir das Gefühl, dass ich alles schaffen kann. Auch wenn ich nicht besonders fit und viel zu pummelig bin.

Also verbrachte ich den Frühling der folgenden Jahre auf verschiedenen Caminos in Spanien. Und dazwischen wanderte ich durch Griechenland, Österreich, USA, Kroatien, Schottland und natürlich Deutschland.

Auf meinem Blog möchte ich meine Draußenliebe teilen und alle motivieren, die sich und ihrem Körper nicht vertrauen und sich immer wieder fragen „Schaffe ich das überhaupt?“ ohne es je zu probieren. 

Besonders am Herzen liegt mir auch das Thema „Nachhaltiges Wandern“. Auch wenn diese Aktivität schon von sich aus nachhaltig ist, so sind wir Menschen doch nur als Gäste in der Natur unterwegs. Ich möchte auf meinem Blog Möglichkeiten zeigen, wie wir uns unterwegs nachhaltig ernähren, pflegen, bewegen können. 

Ihr wollt mehr von Anne und ihrem kleinen roten Rucksack? Sehr verständlich, schaut mal hier:

Liebe Anne, ein herzliches Dankeschön an dich, dass du dir die Zeit genommen hast, uns in deinen grünen Rucksack blicken zu lassen.

Nachhaltigkeit beim Wandern

Interview-Antworten und Fotos (ausgenommen Cover) von Anne Abendroth

4 Kommentare

  1. Huhuu.. ich finde Maiersport Bekleidung sehr empfehlenswert!
    Sie haben über 66 Grössen.. in Lang und Kurz Form und bis über Damengrösse 50!
    Die wasserdichte Beschichtung ist PVC Frei… Also frei von Pestiziden. Der Schnitt ist klasse! Und die Qualität überzeugt. Der Hauptsitz ist in Köngen. Maiersport ist einer der wenigen Firmen, die noch einen Nähsaal haben, in Köngen, DE. Wenn also was kaputt ist bei Maiersport wird es innerhalb zwei Jahren gratis repariert und danach gegen Gebühr. Und zwar in Handarbeit.
    Ich war da schon zweimal, in dem Hauptsitz. Für Schulung und Firmenansicht.
    Eine Marke die einfach revolutionär für mich ist!

    • Hi Nicole!
      Vielen Dank für deinen Tipp und deine Erfahrung. Das hört sich definitiv klasse an. Ich denke, so langsam aber sicher stellt sich auch bei einigen Herstellern von Funktionsbekleidung ein Umdenken ein. Nicht jeder besitzt Modelmaße und geht dennoch gerne zum Wandern, Schneeschuh laufen oder ähnliches. Und immer mehr Menschen sind nachhaltig hergestellte Kleidung wichtig, die man auch mehrere Jahre anziehen kann. Also, es wird 🙂
      Viele liebe Grüße Sarah

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